Naming
Mitsubishi Pajero: Sprache ist Markt
- Sachverhalt
- Der Name Pajero bezeichnet im Spanischen eine obszöne Person. In spanischsprachigen Märkten führte das zu massiven Absatzproblemen.
- Konsequenz
- Umbenennung in Montero für den spanischsprachigen Raum -- teuer, spät, vermeidbar.
- Lektion
- Eine linguistische Prüfung aller Zielmärkte vor der Markteinführung ist kein Formalakt. Sie ist Risikomanagement.
Markenpositionierung
Volkswagen Phaeton: Wenn der Markenrahmen bricht
- Sachverhalt
- Volkswagen bedeutet wörtlich Fahrzeug für das Volk. Der Phaeton war eine Luxuslimousine im 70.000-Euro-Segment.
- Konsequenz
- Flop trotz herausragender Produktqualität.
- Lektion
- Marke ist ein Erwartungsrahmen. Dieser Rahmen ist stärker als das Produkt.
Markendehnung
Harley-Davidson Cologne: Nicht alles verkaufen
- Sachverhalt
- Die Motorradmarke versuchte, mit einem Parfüm ein neues Segment zu erschließen. Die Zielgruppe war irritiert.
- Konsequenz
- Produkteinstellung, Markenverwässerung.
- Lektion
- Nicht alles, was sich verkaufen lässt, sollte unter einer starken Marke verkauft werden.
Markenarchitektur
Maybach: Luxus ohne Identität
- Sachverhalt
- Daimler belebte Maybach ohne klare Differenzierung zu Mercedes-Benz. Käufer verstanden nicht, warum Maybach besser sein sollte.
- Konsequenz
- Einstellung der Marke 2013.
- Lektion
- Ohne klare Markenarchitektur und genuinen Differenzierungsgrund wird selbst Luxus unsichtbar.
Investition vs. Strategie
Ford Edsel: Größe schützt nicht vor Blindheit
- Sachverhalt
- Milliarden in Entwicklung und Kampagne. Falsche Marktforschung, falsches Timing, falsches Markenversprechen.
- Konsequenz
- Einer der teuersten Produktflops der Automobilgeschichte.
- Lektion
- Größe und Budget schützen nicht vor strategischen Fehlern -- sie verstärken die Konsequenzen.
Timing
Airbnb: Marke existiert nicht im Vakuum
- Sachverhalt
- Eine Kampagne mit Wasseroptik lief zeitgleich mit Hurricane Harvey.
- Konsequenz
- Massiver Imageschaden.
- Lektion
- Marke kommuniziert immer im Kontext der Realität.
Rebranding
Fair & Lovely: Name ohne Haltung
- Sachverhalt
- Umbenennung zu Glow & Lovely ohne Produktänderung.
- Konsequenz
- Glaubwürdigkeitsverlust.
- Lektion
- Ein neuer Name ersetzt keine neue Haltung.
Markenrecht / M&A
Volkswagen vs. Rolls-Royce: Die Fabrik ohne Namen
- Sachverhalt
- 1998 überbot VW-Chef Ferdinand Piëch BMW mit 790 Millionen Dollar und sicherte sich Werk Crewe, Produktionsanlagen, die Kühlerfigur 'Spirit of Ecstasy' und die Form des Kühlergrills. Was VW nicht erwarb: die Rechte am Markennamen 'Rolls-Royce' selbst. Die lagen bei der Rolls-Royce plc -- einem Triebwerkshersteller, der nichts mit dem Automobilbau zu tun hatte.
- Konsequenz
- BMW hatte die Namensrechte bereits für 65 Millionen Dollar gesichert -- ein Zwölftel des VW-Kaufpreises. VW besaß die Fabrik, durfte den Namen 'Rolls-Royce' jedoch nicht nutzen. BMW drohte zusätzlich, die Motorenlieferung einzustellen. VW musste den Namensanspruch aufgeben und erhielt stattdessen Bentley. Seit 2003 gehört Rolls-Royce zu BMW.
- Lektion
- 790 Millionen Dollar für eine Fabrik ohne den Namen, der ihren Wert begründet. Die Due Diligence hatte die Trennung von Markenrechten und Produktionsrechten nicht erfasst -- ein Fehler, der in jeder M&A-Markenprüfung ausgeschlossen werden muss.
- Sachverhalt
- Konsequenz
- Lektion
Das Muster hinter den Fehlern
Alle Beispiele lassen sich auf vier strukturelle Kernfehler zurückführen:
01
Marke wird unterschätzt
Als Kommunikationsaufgabe behandelt statt als strategisches System.
02
Interne Logik schlägt externe Wahrnehmung
Das Produkt ist gut ist kein Markenversprechen.
03
Komplexität wird ignoriert
Sprache, Kultur, Recht und Kontext werden nicht integriert.
04
Machtstrukturen dominieren Strategie
CEO-Meinung schlägt Marktrealität.
Wo steht Ihre Marke?
Lünstroth prüft Markenstrategie und Markenarchitektur mit dem Blick von aussen.
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